Sächsisch – Deutsch oder wie sich ein Wortschatz erweitert

Obwohl ich nun schon mehr als 6 Jahre in Sachsen sesshaft bin und hier schon Zeuge der ein oder anderen Sprachbesonderheit werden durfte so lerne ich doch hin und wieder immer noch ein paar spannende neu Ausdrücke meiner sächsischen Mitmenschen kennen.

Ich wurde bereits von Beginn meines Lebens an auf diesen feinen und mitunter sehr humorvollen auf keinen Fall jedoch nervigen Dialekt geeicht, spricht doch ein nicht kleiner Teil meiner Verwandschaft jenen sächsischen Singsang.

Ich bin zwar im direkten Nachbarland geboren und augewachsen und dennoch muss ich bei einigen Sachen immer nochmal nachfragen. Was wieder rum die Sachsen gern mal in Erklärungsnot bringt, so geschehen als mir ein älterer Herr erläutern wollte was das Wort  „schliff“ bedeute:

„Nuja, schliff bedeutet, wie soll ichn das erklärn. Der Kuchen is halt schliff.“

Am Ende hab ich den Kuchen probiert und wusste fortan, wenn der Kuchen schliff ist, ist er nicht ganz durch gebacken.

Als wir unsere Sprachbarriere übrwunden hatten, wurde das seinerseits kurz und knapp mit einem formvollendeten „nu, nu“ bestätigt.

Größere Probleme bereitete mir hingegen die Beendigung von Sätzen mit dem Wort „hey“ Bsp: Die nette Verkäuferin herrscht mich vermeintlich an

„Sie wollten 500g Hack jetzt sind’s 520g. Das stimmt so hey?“

Für mich klang dieses „hey“ sehr ungewohnt und irgendwie falsch, mittlerweile ertappe ich mich aber selber dabei meine Sätze statt mit ordentlicher Betonung mit diesem kleinen Füllwort zu beenden.

Vor allem wenn ich an meine Tante denke, kommt mir ein sächsischer Ausdruck als erstes in den Kopf, vermutlich weil ich ihn bei ihr am Häufigsten gehört habe. Immer wenn sie über etwas verwundert war ihre Frage kurz und prägnant:

Hoi?

Ihr Lebensgefährte beschenkte meinen Wortschatz erst heute mit einem sehr erfischenden neuen Wort. Um zu auszudrücken dass er pinkeln war sagte er:

Ich komm grad vom pfützeln.

Mein jüngerer sächsischer Cousin ist Sachse durch und durch. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass in seinem Handywortschatz mittlerweile mehr sächsische als andere Ausdrücke stehen, da er seine Nachrichten konsequent in sächsischer Phoneitk versendet. Bei ihm denke ich sofort an das Wort egah.

Das ist doch egah das gleische, mit dir.

Aber auch die Larve habe ich das erste mal bei ihm gehört.

Den seine hässlische Larve kotz misch an.

Keineswegs geht’s hierbei um ein Insekt, viel mehr um das Gesicht einer nicht sonderlich geliebten Person. Wenn er richtig los legte, da konnte aber auch schon mal einer rum fähnsen. Sprich heulen.

Dann gab’s aber auch gleich den passenden Kommentar:

Höre uff zu ningeln du Dreckbeen.

Immer wenn ich solche Ausdrücke hörte wollte ich sie zu Hause auch etbalieren aber Dreckbein hört sich voll bescheuert an, also blieb es bei meinem damailigen Standartbeschimpfunsrepertoire. Zum Glück kam ja irgendwann „deine Mutter“ aus dem Norden der Republik zu uns. Ab da an ging’s bergauf.

Jetzt gibt’s erst mal ’nen großen Schlaaz, neudeutsch einen Cut. Ich komme zu einem meiner Lieblingsthemen, dem Essen. Der Essenkehrer hat damit aber noch nichts zu tun, denn der kommt um die Esse zu kehren und dabei macht er den Schornstein sauber.

Vielen Leuten ist die malerisch klingende Speise tote Oma bekannt. Im Leipziger Umland ist diese unter dem weitaus weniger kruden Namen Tieschelwurst bekannt. Richtig schön vermengt mit Sauerkraut und Abernmus, auch bekannt als Kartoffelbrei, wird daraus ein vorzüglicher Babberschmatz. Zugegeben, ist diese Faustmaucke (so kenn ich das von zu hause) nicht der schönste Anblick aber geschmacklich liegt es bei mir ganz weit vorn.

Eines meiner liebsten sächsischen Worte die ich in letzter Zeit kennen lernen durfte ist der Begriff rostern. 

Im Frühjahr wird dabei für gewöhnlich angerostert und im Herbst abgerostert. Dabei kommen aber nicht zwingend nur Roster (bratwürstchen) aufn Grill, alles ist möglich.

Nu gut, ich werd dann mal noch ’n bisschen rummuddeln und dann grunzn ist schließlich schon spät und wer weiß was ich morgen wieder schönes neues lerne.

Wer beim lesen Schwierigkeiten hatte die Worte zu verstehen oder einfach mal etwas stöbern und schmunzeln möchte dem empfehle ich die Seite: http://www.sachsenwelt.de/sachsen/mundart/woerterbuch-a.html Wenn auch manche Begriffe sicher nicht ganz zeitgemäß sind. Ä Schälchn Heeßn habe ich noch keinen Sachsen ernsthaft sagen hören, und das mit der phonetischen Umschrift haut sicher auch nicht immer ganz hin.

Wer mag kann auch gern in den Kommentaren seinen Mostrich dazu geben und von Erfahrungen aus seinem Alltag berichten.

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