Das ging an die Substanz

Zwei Abende hintereinander in Dunkel.Dreckig.Reudnitz. Und es ging nicht nur an die Substanz, sondern auch rein. Und zwar in die Kneipe mit dem gleichen Namen. Aber der Reihe nach.

Der Donnerstag verhieß nur Gutes. Morgens der Blick auf die Bundesligatabelle und gesehen das der Tigerentenclub immer noch im untersten Keller rumschimmelt (und ja ich erfreue mich an diesem anblick eines rivalen is schließlich nur fußball und nicht das ende aller tage), abends die Aussicht darauf mal nicht selbst kochen zu müssen, sondern zum Essen eingeladen zu werden.

Da gefühlt schon jeder Leipziger in unserem Umfeld und gefühlt auch alle anderen bereits im Asia Garden beim mongolischen Buffet waren, wollten wir (sarah et moi) natürlich in nichts nachstehen. Also fix die umständlichste Möglichkeit raus gesucht dort mit den Öffis hin zu kommen und rein in den ehemaligen Supermarkt (war noch n diskamarkt als ich da umme ecke wohnte).

Als wir den Laden betraten, überkam uns erst mal so eine leichte Bahnhofshallenatmosphäre nicht zuletzt auch wegen der Enterprisetüren am Eingang und der unglaublichen Größe des Restaurants. Erst die großen Bambusstühle und die (meist) kleinen Kellner (vermutlich kaum kleiner als ich aber das ganze heißt subjektive wahrnehmung) ließ uns den ersten Eindruck etwas vergessen. Vollständig ausgeblendet, hatte ich die Hallenanmutung als der Kellner sehr höflich, wenn auch schwer verständlich, nach unserem Getränkewunsch fragte. Kuriosum: der vietnamesische Kellner empfiehlt das chinesische Bier, obwohl vietnamesisches Bier auf der Karte steht und soll nicht Recht behalten.

Kurzum ich bin kein Restaurantkritiker, es gab eine große Auswahl verschiedener Fleischsorten, wie Lamm, Kalb, Rind und sogar Känguruh (war an dem abend tatsächlich das leckerste) außerdem Fisch und Meeresfrüchte wie Garnelen, Hai, Tintenfisch (hier hatte der hai die nase vorn) und verschiedene Gemüsesorten. Der nun beladene Teller ging mit vorheriger Saucenwahl (mangosauce zum fisch passt super) zum Lebendkoch. Wenn man wollte, konnte man dem Meister dabei zu sehen wie er einem das Essen fertsch macht, aber der Hunger war größer und trieb uns zum Sushi. Hier waren auch Verschiedene zur Wahl und wir mussten aufpassen, uns nicht schon daran zu überfuttern. (hat nicht ganz geklappt)

An einem normalen Tag hätte man aufgehört, aber es ist ja ein all you CAN eat und kein all you want eat to be no longer hungry-buffet. Und dann war ja da noch das zweite Buffet mit unzähligen Speisen die hier aufzuzählen den Rahmen sprengen würde. Da sollte wirklich für jeden was dabei sein.

Alles in allem war das ein sehr schöner Abend zu einem sehr fairen Preis. Unbedingte Empfehlung.

Wie oben bereits angeklungen war, ging es auch am zweiten Abend in den düsteren Stadtteil. Meine gute Freundin Franzi nahm den weiten Weg aus Berlin auf sich, um mal wieder anständige Menschen zu treffen. War sie kürzlich auch noch Wahlleipzigerin, trieben sie kürzlich wirtschaftliche Zwänge in den Seelen raubenden Moloch im Osten.

Sie schlug vor in die Substanz zu gehen, eines ihrer Lieblingswasserlöcher, als sie noch hier wohnte. Also ab dafür. Die arktische Kälte hatte auch bereits jede Menge anderer Leute hin die urige Bar getrieben, aber es fanden sich dann noch genau zwei Sitzplätze. Dass es hier erlaubt ist im Innern zu rauchen macht die Kneipe sicher auch gerade bei dieser Witterung für Einige interessant und ich muss sagen, es war noch nicht mal sonderlich störend.

Ausländischer Bierdeckel
Ausländischer Bierdeckel
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Bitte an die Tafel, ausrechnen und ins Diagramm eintragen!
Geldwäsche
Geldwäsche

Das gezapfte Hausbier mit dem beinahe poetisch klingenden Namen 67 war süffig aber nicht seelenlos, kann man also guten Gewissens weiterempfehlen. Was anderes gab es an dem Abend dann auch nicht, dazu noch ein paar Gespräche mal mehr mal weniger tiefsinnig und die überraschende Erkenntnis, dass man in Berlin von dem ganzen PEGIDA/LEGIDAstumpfsinn nicht wirklich viel mitbekommen hat. Umso erstaunter war meine Gesellschaft, als ich ihr von den Ausmaßen und den Einschränkungen erzählte.

Nachdem das letzte Gebraute den Weg die Kehle hinab gefunden hatte, stand der Heimweg an. Das ist in Reudnitz erfahrungsgemäß schwierig. Doch meine Erwartungen sollten übertroffen werden. Beide Nightliner hatten sich schon vor mir verzogen und die nächste Bahn fuhr dann erst in 2 1/2h. Taxi war nicht mehr im Budget und auf auswärts pennen hatte ich keine Lust also:

Knapp eine Stunde hat’s gedauert, bis ich heme war, was ich aber nicht so schnell geschafft hätte, wenn nicht Ronny so freundlich gewesen wäre, mich ab der Kreuzung Arno-Nitschkestraße mitzunehmen. Eines der seltenen Male das per Anhalter innerhalb der Stadt funktioniert hat.

Meine Dosis Reudnitz sollte jetzt erst mal wieder reichen, aber es bleibt ein spannender Stadtteil mit der ein oder anderen Perle.

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