Das Glück dieser Erde…

So ziemlich jeder, der in Deutschland sozialisiert ist, weiß vermutlich wie dieser Satz (siehe titel) weitergeht und so ziemlich jeder unkreative Schreiberling nutzt diese Phrase, um einen Artikel über Pferde oder etwas was damit zu tun hat einzuleiten. Also mach ich das auch.

Ein vergangenes Weihnachtspräsent an mich bildete ein Jahreskalender, in dem für jeden Monat eine andere Sportart auf dem Plan stand. Unter anderem waren dabei: Eislaufen, Paddeln, Inliner fahren aber eben auch Reiten.

Nun ist das mit dem Reiten so eine Sache. Die Utensilien für die meisten der anderen Sachen haben wir selbst und sind somit relativ autark, einen Gaul können wir aber nicht unser Eigen nennen. Daher bedurfte es etwas Vorlauf. Eine Kommilitonin von Sarah bot Ihr an es auf Ihren Pferden zu versuchen und so fanden wir uns vergangenen Samstag auf einem Hof in Göhren wieder.

Ich muss ja zugeben, so ganz geheuer war mir das alles nicht, schließlich hab ich schon so meine Probleme mit großen Hunden und meine Erfahrung beschränkte sich auf wenige Runden auf einem Pony, was aber auch schon eine ganze Weile zurück liegt.

Desweiteren habe ich Schreckensbilder im Kopf, hatte ich doch ein paar Jahre die Musik für das Springreitturnier in Cobbelsdorf aufgelegt. Dabei kam es hin und wieder vor, dass junge Mädels auf solch Riesenkleppern unter Vollgas in ein Hindernis aus massiven Baumstämmen geworfen wurden. (es ist nie was ernstes passiert und trotzdem will ich es nicht ausprobieren)

Ich glaub der ist zu groß
Danger Mike in einer Situation

Cosmo und Rondo (ja wie der kaffee) hießen die Pferde die uns tragen sollten. Stephanie war sehr nett und zeigte mir, wie man es anstellt ohne sich zu blamieren auf den Rücken von Cosmo zu gelangen. Ich glaube auch mich dabei gar nicht so blöd angestellt zu haben. (in verschiedenen slapstickkomödien sieht das ja gern mal anders aus) Cosmo ist ein schwarzer Wallach mit ca. 1,70m Rückenhöhe. Das wirkt schon mächtig hoch wenn man dort oben sitzt.

Und dann ging unser wilder Ausritt durch die Luppen- und Elsteraue los. Nicht das hier ein falscher Eindruck entsteht und sich manch ein Leser mich hier im wilden OldShatterhandlook ausdenkt, wie er einhändig mit Flinte in der Hand los galoppiert. In der Realität sieht das so aus: Stephanie ging voran (zu fuß) und führte das Tier während ich im Grunde wie Gepäckstück, ohne Funktion, auf dem Rücken saß.

Bis zum Horizont - anschlagen und zurück
Bis zum Horizont – anschlagen und zurück

Stephanie zeigte uns die Auen und Wälder, führte uns am hübschen, restaurierten Schloß vorbei und zeigte uns die herrliche Landschaft, welche vom Herbst bunt angemalt erstrahlte.

Die Lage des Ortes könnte schöner kaum sein. Man ist weit genug weg vom Trubel der Großstadt, braucht aber mit dem Auto nur eine halbe Stunde um entweder in Halle oder in Leipzig zu sein. Auch Einkaufsmöglichkeiten in Günthersdorf sind quasi um die Ecke. Dazu kommt die herrliche Landschaft mit Feldern, Wäldern, Wiesen und Flüssen. Es sollte aber nicht unerwähnt bleiben, dass die Lebenswelt unserer Reiseführerin eine gänzlich andere ist als die unsere. Im landwirtschaftlichen Familienbetrieb eingespannt heißt es neben dem Studium von früh bis abends mit anpacken, ohne Unterscheidung zwischen Wochentag und Wochenende. Zitat: „Feierabend gibt es bei uns nicht“.

Dennoch schien es ihr an nichts zu fehlen, sie wirkte ausgeglichen und zufrieden mit dem was sie hat.

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Wendy auf Fury

Wir waren ca. 3h unterwegs, wobei so langsam der Komfort zu schwinden begann. Mein Hintern begann zu schmerzen, und die Beine fühlten sich irgendwie verkürzt und verspannt an. Da wir uns auch wieder dem Hof näherten und sich das Licht auch langsam hinter Dunkelheit zu verstecken begann, beendeten wir unseren Ausritt. Das Absteigen sah nicht minder elegant aus wie der Aufstieg, was den Tag gänzlich ohne Blamage enden ließ. (puh)

Es war ein sehr erhabenes Gefühl auf so einem hohen Roß zu sitzen. (manche haben dieses gefühl ja permanent) Fortan werde ich mir 2x überlegen ein solch erhabenes Wesen abwertend als Gaul oder Klepper zu bezeichnen. Allein die Möglichkeiten Pfade zu beschreiten, die, wenn man mit dem Rad zum Beispiel unterwegs wäre, zum Umdrehen oder tragen nötigen würden.

So liegt vielleicht nicht alles Glück dieser Erde auf dem Rücken von Pferden, aber doch sicher ein Teil. Für den einen ein Größerer für den anderen ein etwas Kleinerer.

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