Sarah & Sebastian aufm Sprung!

Mittwoch 5.7.2011

Am Morgen klingelte halb acht der Wecker. Nachdem wir den Abend zuvor noch bis spät in die Nacht saßen um unsere Studienunterlagen zusammen zu suchen, hat die Müdigkeit bereits vor dem Antritt der Fahrt ordentlich Besitz von uns ergriffen.  Und dennoch wird sich aufgerafft kurz gefrühstückt und abgefahren. Das erste Zwischenziel ist kurioser Weise erstmal Leipzigs Hauptbahnhof. Dieser altehrwürdige Kopfbahnhof, einer der größten Deutschlands dient dazu die letzten Besorgungen vor unserem Fahrtantritt zu erledigen. Halb elf starten Sarah und Sebastian in Richtung Ferne.

Das erste Ziel soll Osnabrück sein. Die A2 gilt es auf diesem Weg zu überwinden. Zahlreiche Banner an den Brücken verkünden einem in Deutsch, Englisch und Polnisch, dass man sich auf der „Straße des Todes“ befindet. Zu sehen ist allerdings nichts, sieht wie ne ganz normale Autobahn aus, die noch nicht mal wirklich voll ist. So dauert es gerade mal vier Stunden gemächliche Fahrt, bis wir die selbsternannte Friedensstadt am Rande Niedersachsens erreichen. Dort wird dann das Standartprogramm abgenudelt: kostenlosen Parkplatz suchen, Stadtbesichtigung, Einkaufsbummel durch Klamotten- und „1€-Läden“ (von wegen 1€) und für Sarah ne Sprite und für Sebastian n Bier (Achtung Schleichwerbung: König-Ludwig-Hefeweizen)im Freisitz. Stilecht, platzieren wir unsere knackigen Hintern in einem Strandkorb und lassen die Bedienung vorsprechen und uns das Gedeck an unseren Platz bringen. Während, das Bier seine Wirkung, ungewöhnlich stark entfaltet betrachten wir die vorüberziehende Mischpoke (Danke an Regine, dass sie mir dieses herrliche Wort wieder in die Erinnerung gerufen hat)diese wird  beobachtet und nach verschiedensten Kriterien beurteilt. Dazu gehören: Aussehen, Kleidung und Fortbewegungsstil – die dabei nach streng empirischen Gesichtspunkten gesammelten Daten werden treffend kommentiert und ausgewertet – Fazit: in Osnabrück wollen wir beide nicht leben. Die Menschen wirken bisweilen öde und arrogant und die Frauen sind ausnahmslos überschminkt. (ein Urteil kann man sich natürlich erst bilden, sobald man die Menschen persönlich kennt und pauschalisieren soll man ja eh nicht, trotzdem mach ich’s hier an der Stelle, was wär das Leben ohne Vorurteile, viel zu kompliziert). Nachdem wir alles Wichtige von Osnabrück abgelaufen sind (Kirche, Dom, Fußgängerzone, H&M, Neumarkt, Theater), statten wir Sarahs alter Wirkungsstätte, der Kleintierpraxis „Regine Lück“ einen kurzen Besuch ab. Man sieht einen länglichen Barackenbau mit vielen Pflanzen davor, vor allem aber einen prächtigen Flieder. Den schenkte Sarah einst Regine zum Abschied, als sie mit ihrer Ausbildung zur Tierarzthelferin fertig war. War er damals noch ein kleines zartes Pflänzchen, so ist er heute groß und farbenprächtig und macht die Schenkerin stolz bei dessen Anblick. Die Vorfreude Sarahs auf das Wiedersehen mit der ehemaligen Mentorin kennt nun keine Grenzen mehr und so ist es nur eine logische Folge dass wir eine Landpartie machen um zum Anwesen von Regine zu fahren.

Die Reise geht durch die schönen Felder Niedersachsens, durch kleine Orte die irgendwie alle gleich heißen hin zu einem Nest das heißt wie bereits zehn Orte zuvor: Wehden. Man will es kaum glauben, aber selbst hier gibt’s was zu Schmunzeln, zumindest für Sebastians skurrilen Humor. Und wer einen Ähnlichen hat, wird merken wie die Mundwinkel gen Norden wandern, wenn man am Schild „Sportstädte Mösle“ vorbeifährt. (wer nicht, überliest und vergisst diese Stelle einfach und liest einfach weiter). Der anthrazitfarbene Rover, unser Gefährt der nächsten drei Wochen, biegt nun auf den Hof von Regine ein. Gesellschaftliche Konventionen erfordern es, dass man ein kleines Gastgeschenk mitbringt. Ursprünglich wollten wir für Alle die litauische Speise Kepta Duona zubereiten, ein in Öl angebratenes Brot, welches in Mayonnaise gebadet, mit Knoblauch geschwängert sowie Käse überbacken wird, jedoch kurz bevor den Klingknopf an der Hauptstraße 17 betätigen entscheiden wir uns um und tragen eine Flasche von Sebastians selbstgemachten Rhabarberwein ins Haus und überreichen es der Hausherrin als Geschenk. Das Reinkommen und Begrüßen gestaltet sich nebenbei schwieriger als man sich das gewöhnlicher Weise vorstellt. Irgendwie wird eine Art Klingelputzen daraus da wir vorne schellen um dann nach einem kurzen Moment des Verweilens Hinten herum gehen. Dort begrüßt uns Michael bereits aus dem Wohnzimmer heraus und bittet uns herein. Regine treffen wir dann tatsächlich auch noch. Sie hat an der Vordertür nach uns geguckt, vereiert gefühlt und ist wieder in die Küche zurück. Im gesamten Haus hat sich bereits ein wohliger Duft von Lauch verbreitet. Dieses Aroma kommt aus dem Topf mit der Gehacktes-lauchsuppe welche frischerweise auf dem Herd vor sich hin köchelt und nur darauf wartet von uns Vieren zum Abendbrot und später als Mitternachtssnack verzehrt zu werden (entschuldige Regine wenn nicht mehr genug zum einfrieren übrig geblieben ist, aber das verlangen war zu groß). Was den Abend betrifft könnte ein detailliertes Beschreiben sicher nicht das schöne Gefühl wiedergeben, das die Gespräche über vergangene Zeiten und die gemütliche Atmosphäre unter dem freien Wehdener Himmel hervorgerufen haben. Deshalb gibt’s keine.

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